CIVIC MEDIA LAB


Das CIVIC MEDIA LAB soll Multiplikatoren der Zivilgesellschaft aus Deutschland, Armenien, Aserbaidschan, Belarus, Georgien, Moldau, Ukraine, Russische Föderation zusammenbringen und innovative mediale Formate für ein gemeinsames Projekt entwickeln.

Ziele des CIVIC MEDIA LAB

• Neue Perspektiven: Internationaler Austausch, Dialog und Verständigung der Akteure im vorpolitischen Raum über gemeinsame Projektarbeit
• Capacity Building: Förderung des kreativen Umgangs mit künstlerisch-medialen Formaten und ihre Nutzbarmachung für interkulturellen Dialog und Verständigung
• Die Stimme erheben: Befähigung der zivilgesellschaftlichen Akteure, ihr Engagement überregional zu präsentieren und Impulse für gesellschaftliche Debatten aufzunehmen
• Neue Wirkungsräume schaffen: Transmediale und -nationale Formate für neue Formen von Engagement und Beteiligung
• Netzwerk über Grenzen hinweg: langfristige Vernetzung der teilnehmenden Multiplikatoren, Aufbau einer nachhaltigen Infrastruktur zur eigenständigen Weiterführung des CIVIC MEDIA LAB sowie als Impulsgeber für neue experimentelle und kritisch-mediale Projekte
• Multiplikatorenwirkung Internet: Über das Online-Portal civicmedialab.eu werden zivilgesellschaftliche Akteure erreicht, die nicht selbst teilnehmen können

Zielgruppen
Künstler*innen, Vertreter der Zivilgesellschaft, Medienvertreter*innen, Studierende, Kulturschaffende, Lehrer*innen und Dozent*innen, Sonstige aus den Ländern der Östlichen Partnerschaft

Civic Media Lab Dnepropetrowsk
– im Rahmen des Festivals Konstrukcija (30.05.-05.06.2016), Dnepropetrowsk • Kennenlernen / Vorstellen der Arbeitsbereiche und Arbeitssituation – Festlegen der Ziele der gemeinsamen Arbeit

• best practice Austausch (öffentlich)
• Austausch über Methoden, Zielgruppen, Partner und Problemstellungen
• Arbeit zu innovativen Formaten, Medienformaten in der zivilgesellschaftlichen Arbeit
• Entwicklung eines gemeinsamen medienbasierten Projekts im internationalen Team
• Selbsterfahrung und Materialsammlung (dokumentarische, narrative, dialogische Medienarbeit)
• öffentliche Info-Veranstaltung zum Projekt
• öffentlicher Austausch mit den Festivalteilnehmern und -organisatoren sowie eine öffentliche Ergebnispräsentation im Rahmen des Festivals

Civic Media Lab – on-site
ab 06. Juni bis Ende Juli in den Heimatstädten der Teilnehmer*innen
• Fortsetzung der Materialsammlung zur Umsetzung des medienbasierten Projekts vor Ort
• Einbeziehung und Aktivierung von Communities vor Ort
• Austausch mit den anderen Teammitgliedern über soziale Netzwerke

Civic Media Lab Dresden
27. August bis 2. September 2016, OSTRALE'O16 Internationale Ausstellung zeitgenössischer Künste, Dresden
• Sichtung und Auswertung der Erfahrungen in den Teams
• Zusammenführung der Ergebnisse aller Kleingruppen in eine künstlerische Gesamtschau (dokumentarische, narrative, dialogische Medienarbeit)
• öffentliche Ergebnispräsentation im Rahmen der Kunstausstellung OSTRALE – Diskussion der Erfolgsfaktoren und Übertragbarkeit der Formate auf andere Kontexte – Aufbereitung der Ergebnisse im Online-Portal

Ausführliche Projektbeschreibung

Vor dem Hintergrund ungelöster Territorialkonflikte und Spannungen aufgrund unterschiedlicher geschichtlicher Narrative in den Ländern der Östlichen Partnerschaft und Russland wird auch unter den zivilgesellschaftlichen Akteuren ein zunehmender Vertrauensverlust und eine abnehmende Bereitschaft zum Dialog und der Zusammenarbeit deutlich spürbar. Überregionale zivilgesellschaftliche Netzwerke sind kaum vorhanden, was in den vergangenen Jahren dazu führte, dass die Bilder des Anderen vor allem durch die nationalen Diskurse geprägt wurden, Fremd- und Selbstwahrnehmung immer stärker differierten und Vorurteile sich zunehmend vertieften. Die deutliche Schwächung kritischer Stimmen in Russland durch die aktuellen gesellschaftspolitischen Entwicklungen verstärkt zudem den Prozess des Auseinanderfallens. Diesen Negativtrend durch unkonventionelle Dialogformate und eine dauerhafte überregionale Zusammenarbeit zivilgesellschaftlicher Akteure aus Russland und den Ländern der Östlichen Partnerschaft zu durchbrechen, ist Ziel des CIVIC MEDIA LAB.

Perspektiven von außen und die Einbindung in ein überregionales Netzwerk können sowohl Dialog und Verständigung unter zivilgesellschaftlichen Multiplikatoren fördern als auch einen Wissens- und Erfahrungstransfer über best-practice-Beispiele ermöglichen. Damit kann zivilgesellschaftliches Engagement in der ganzen Region nachhaltig an Schlagkraft gewinnen, Spannungen abbauen und neuen Konflikten vorbeugen. Im CIVIC MEDIA LAB sollen die Akteure über den Ansatz ungewöhnlicher künstlerisch-medialer Vermittlungsformate alte Denkschienen verlassen: Das CIVIC MEDIA LAB stellt das Experiment mit medialen, auch digitalen, Formen und das gemeinsame Erlebnis in den Vordergrund und wendet sich somit gegen tradierte Vorstellungen des Anderen. Die Teilnehmer machen sich die Grenzenlosigkeit des digitalen Raums aktiv für ihr Engagement im realen Raum zunutze.

Die OSTRALE als Projektträger baut bei dieser Konzeption auf einer langjährigen Erfahrung mit einzigartigen internationalen Ausstellungen, Festivals und Veranstaltungen auf: Sie setzt sich mit ihrer Arbeit sowohl für den kulturellen Wert trans- und interdisziplinärer Medienprojekte und der Kunstproduktion an sich ein als auch für deren Bedeutung in Bezug auf die facettenreichen Ausdrucksformen, in denen sie sich mit anderen kulturellen Praktiken verbinden. Mit dem CIVIC MEDIA LAB kreiert sie nun eine kreative Plattform der Selbstreflexion und des Lernens auf globaler Ebene, in der die Teilnehmer gefordert sind, sich ständig neu zu erfinden, einander zu hinterfragen, zu inspirieren und herauszufordern. Der transdisziplinäre Ansatz baut aktiv Brücken zwischen verschiedenen Hintergründen und Kulturen, Kunstdisziplinen, Szenen und Genres. Die Teilnehmer lernen dabei, ihre Aktivitäten als eine kreative Kraft zu verstehen, die – aufgrund ihres permanenten engagierten Dialogs mit Künstlern, Produzenten, Kritikern und dem Publikum / der Öffentlichkeit – auf konstruktive Weise zu Dialog und Verständigung beiträgt.

Die Formate des CIVIC MEDIA LAB sind niedrigschwellig als „Do-it-yourself"-Formate angesetzt. Die Teilnehmer sollen befähigt werden, ihre neuen Erfahrungen und die experimentellen Methoden innerhalb ihrer spezifischen Orte und Kontexte umzusetzen. Nach der Umsetzung kommen sie wieder zusammen, präsentieren und reflektieren die Ergebnisse und analysieren sie hinsichtlich ihrer Erfolgsfaktoren, Übertragbarkeit und möglichen potenzielle Zugänge für den interkulturellen Dialog.

Die Ergebnisse werden zusammen mit den Erfahrungsberichten in einem Online-Portal gesammelt, das anderen zivilgesellschaftlichen Akteuren frei zur Verfügung steht. Durch seine mediale Ausrichtung hat das Projekt eine hohe Multiplikatorwirkung, da digitale Formate vielfältige Verbreitungswege finden. Damit wird die öffentliche Sichtbarkeit des Projektes und deren Partner sichergestellt, neben weiteren Maßnahmen wie öffentliche Info-Veranstaltungen zum Projekt, die öffentlichen Präsentationen und Einbindung in die bereits etablierten Festivals Konstrukcija und OSTRALE.

Rein thematisch, werden wir uns am OSTRALE´O16 Thema »error« orientieren. Ein Begriff, der uns im digitalen Zeitalter öfter begegnet, als uns vielleicht lieb ist. Die Masse an Informationen und Meinungen hat sich zu einem unübersichtlichen Datendschungel verwachsen, dem die nachfolgende Generation mit Selfiesticks bewaffnet gegenübersteht, während die Heimatfront fröhlich Bilder vom Abendessen postet. Aber es gibt auch Grund zur Hoffnung. Die Vernetzung ist unmittelbarer als jemals zuvor. Es gibt die Idee eines globalen Miteinanders und das Internet ist das Werkzeug, mit dem wir den Mühlrädern unserer Zeit einen Stock in die Speichen werfen können.

Das CIVIC MEDIA LAB ist als Pilotprojekt gedacht, es soll aufbauend auf den Erfahrungen des ersten Jahrgangs im Jahr 2017 fortgesetzt werden. Langfristig sollen sowohl ein Netzwerk der Akteure in den Ländern der Osteuropäischen Partnerschaft und Russland als auch ein best-practice Onlineportal aufgebaut werden.